Sonntag, 8. Januar 2012

Was macht ihr sonntags eigentlich so?



Diese Frage habe ich mir heute gestellt, während ich meine Trainingskilometer abgespulte. Gestartet bin ich vormittags in St. Moritz mit meinem Rucksack (ca. 8kg) in Richtung Stazerwald. Leise rieselte der Schnee auf meine Kapuze… Ich nutze jegliche Abzweigung, um auf die Kilometer zu kommen, die ich mir vorgenommen hatte. Es ging ins Val Roseg bis zum Ende und wieder retour, weiter über den Flugplatz Samedan bis nach Bever. Von dort wieder in die andere Richtung nach Samedan, durch Celerina nach Pontresina, durch den Stazerwald und zum Schluss noch um den St. Moritzersee. Das GPS zeigte 41km an: Sie haben ihr Ziel erreicht. Yessss!!
Auf der Strecke begleitete mich Musik aus der guten alten Alternativ-Grunge-Zeit (ca. 1995).
Das gesamte Album von Foo Fighters, Pearl Jam und Bush und danach noch 72 (!) Lieder von NOFX. Der Wahnsinn, was mir „Fat Mike“ von NOFX so alles an den Kopf geworfen hat.

Nachdem ich mich letzte Woche ja eher über die Strecken gequält habe, versuchte ich es in der vergangenen Woche mit einer neuen mentalen Einstellung: „Ich will und ich kann und ich traue es mir zu“. Der innere Dialog ist sehr entscheidend. Und auf den langen Strecken gehen mir auch viele Gedanken und Stimmen durch den Kopf. Meine Erkenntnis ist immer wieder, dass ich das alles freiwillig mache und zwar auch deswegen, weil es mir Spass macht. Zudem grabe ich immer wieder in meiner mentalen Schatzkiste nach tollen Erlebnissen, an die ich mich gerne erinnere. So begleitete mich heute gedanklich Helga Kruse: sie war meine erste Handballtrainerin in der Seniorenklasse (4. Liga) und setze mich auf dem Spielfeld immer wieder so gut in Szene, dass ich nur noch den Ball nehmen musste und mir die Ecke im Tor aussuchen konnte. Es war meine Eintrittskarte in die 3.Liga und zum Aufstieg in die 2. Liga. Den Lauf heute widme ich deswegen Helga!
Am Freitag besuchte mich Gabi aus Zürich. Sie ist auch eine sehr gute Ultraläuferin und eine ziemlich witzige Person. Sie hatte unglaublich viel Spass durch den tiefen Schnee zu laufen; selbst dann, als wir beim Morteratsch im hüfthohen Schnee einfach stecken blieben. Der Weg bis zum Gletscher war sehr anstrengend. Trotzdem schafften wir es in einer sehr guten Zeit. Für den Rückweg wählten wir den Weg über die Berninapassstrasse. Und zu unserer grossen Freude war die Strasse für den Autoverkehr aufgrund der starken Schneefälle gesperrt. So mussten wir dann nur hin und wieder den Schneeräumfahrzeugen ausweichen, die wir gerade noch so durch unsere zugefrorenen Wimpern erkennen konnten. Ich hatte zwischen Mütze und Nase eine 5cm dicke Eisschicht auf der Stirn und Gabi hatte vereiste Oberschenkel. Die Strecke war „nur“ 30km- dafür gefühlte 45! Nach dieser Schneetortour hatte ich noch einen Kundentermin, der auch joggen wollte! So musste ich schnell die Speicher auffüllen (500g Joghurt mit Beeren und Orangen in den Mixer und in einem Rutsch trinken). Nach der Trainingsstunde (für mich ein lockeres Cool down J), musste ich noch Lebensmittel für das Wochenende einkaufen. Aufgrund der Temperaturunterschiede (Schneesturm und gefühlte minus 10 und, ja, vielleicht war es doch auch anstrengend…) im Einkaufsladen wurde es mir dann doch kurz mal etwas schwummrig, so dass ich mich im Gemüseregal abstützen musste. Danach ging es dann aber wieder…
Ich habe übrigens meine Flüge für die Atacamawüste nun auch endlich gebucht. Am 29.02. geht es los! Zudem habe ich einige Interviews für die verschiedensten Magazine und Zeitungen gegeben. Mehr bald hier in Kürze. 
Insgesamt eine gute Woche. Wochenkilometer 145.
Mein Musiktipp (nach der heutigen Punksession…1995 war ich übrigens auch auf dem Bizarrefestival..) :

Powder am Morteratsch - leider nur in Joggingschuhen

Sonntag, 1. Januar 2012

Der Rückblick der letzten 2 Wochen im Jahr 2011

Der Rückblick der letzten 2 Wochen im Jahr 2011

Der Rucksack wurde schwerer, die Strecken länger und die Bedingungen realer. Es liegt nämlich recht viel Schnee hier im Engadin, was das Laufen manchmal wirklich ganz schön schwer macht. Die Schneebeschaffenheit ist ziemlich vielseitig: von seifenglatt über fluffigen knöchelhohen Pulver bis hin zu kompaktem Waffelteig. Die Wege lassen sich nun nicht mehr so einfach abspulen. Zudem kommen häufig noch ein fieser kalter Nordwind und das reinste Schneegestöber hinzu. Gut, dass ich für meine Sonnenbrillen einen Sponsor gefunden habe: Fortan laufe ich mit Brillen von Julbo durch die Gegend und teste gerade verschiedene Modelle, die für meine Rennen in Frage kommen. Den Kontakt zu Julbo habe ich von meinem Kollegen Gian bekommen, der mit seiner Firma Go Vertical im Engadin die Bergsteigerherzen höher schlagen lässt. Vielen Dank an dieser Stelle für das grosse Engagement in mein Projekt.
Brillen, die ich im Moment bevorzuge, sind allerdings Skibrillen. Ich denke, das ist für die Atacamawüste oder die Sahara nicht unbedingt die 1. Wahl; vielleicht noch für die Wüste Gobi, wo mir die Sandkörner nur so ins Gesicht peitschen werden. Aber auch die übrigen Sonnenbrillenmodelle sind echt spitze. Mein Favorit ist gerade die „Dust“.
Ich teste aber gerade nicht nur Sonnenbrillen, sondern auch Rucksäcke. Da mir mein Trekkingrucksack schlimmste Nackenschmerzen bereitet hat, war hier grosser Handlungsbedarf.  Mein Bergsteiger- und Telemark-Freund Fippa gab mir nun einen 55 Liter Rucksack, welcher ein längeres Rückenteil und einen beweglichen Hüftgurt hat. Bepackt ist er gerade mit 2x 1.5 Liter Tetrapacks, ein paar Decken und Sofakissen und meinem 2.5 Liter Trinksystem. Aber das Gewicht verteilt sich gut auf den gesamten Rücken. Und somit renne ich, wann immer es geht, mit dem feuerroten Rucksack durch die Gegend.
Was mich im Moment total nervt ist die fehlende Abwechslung der Streckenvielfalt. Im Sommer gibt es hier ja ein richtiges Eldorado an den verschiedensten Lauf,- und Wanderrouten. Aber jetzt im Winter sind nur eine begrenzte Anzahl an Wegen geöffnet, so dass ich die Wahl habe: Ins Val Fex, ins Val Roseg oder ins Val Bever. Tönt ja alles total gut! Nur laufe ich immer die ein und dieselbe Strecke hin und zurück. Und das ist etwas, was ganz schön an meinen Nerven zieht.
Am Dienstag habe ich mich durch das Val Bever bis nach Spinas geschleppt. Die Motivation war gleich Null. Auf dem Rückweg wählte ich verschiedene Variationen, die mich aber immer über überfüllte Wanderwege mit Pelzmäntel-tragenden-Touristen brachte. Ich war kurz davor, per Autostopp zurück zu fahren. Auf dem „Kamelbuckel“ (eine Strasse mit drei Buckeln von Celerina nach St. Moritz) jubelten mir dann aber vier italienische Frauen enthusiastisch zu: „Dai Dai!! Go, go, you are a winner! Come on, you are great!“ Ich war ausser mir vor Freude! Und so schaffte ich es dann doch noch bis zur Haustüre.
Am Freitag wählte ich eine komplett neue Variante: Ich lief von St. Moritz bis nach S-Chanf.Alle sin eine Richtung. Die Strecke ist leider nur 23 km lang, dafür aber gefühlte 40. Zudem Schneesturm, vertretene und verschneite Wanderwege, eingefrorener Trinkschlauch, Spaziergänger, die nicht ausweichen wollten und Wege, die plötzlich vor hohen Schneebergen enden und ich wieder umkehren musste. Ich wollte und konnte nicht mehr zurücklaufen und zog den Joker. Ich rief Fippa an, der mich mit dem Auto abholte.
Mit einer neuen Idee zog ich am nächsten Tag wieder los: Ich rannte zur Abwechslung mal wieder den Hahnensee hoch. Ein bisschen Intervalltraining mit Rucksack und Stöcken. Wieder einmal Schneesturm und seifenglatter Schnee, dafür gute Musik im i-pod und keine nervenden Spaziergänger! Und da ich flink wie ein Hase unterwegs war und nach 47 Minuten die Hütte erreichte, (mit Rucksack brauche ich ca. 12-15min länger), lief ich wieder runter und noch einmal rauf! 2-mal Hahnensee: meine neue Lieblingsstrecke. Und da es so viel Spass machte, spulte ich das Programm am heutigen Neujahrstag gleich nochmals ab. Aber vorher kam noch ein bisschen Oberschenkeltraining im frischen Powder auf meiner Powderplanke hinzu: Mit der ersten Gondel auf den Berg und frisch verschneite Hänge hinunter…
Rock n Roll für 2012: Jetzt geht’s erst richtig los. Kilometer der letzten 2 Wochen: ca. 220km
Mein Musiktipp:
Oberschenkeltraining auf Corviglia

Running auf den Hahnensee

Sonntag, 18. Dezember 2011

Hopp Flammi, Hopp Schwiiz, Hopp Dütschland, Hopp!


Hopp Flammi, Hopp Schwiiz, Hopp Dütschland, Hopp!

Toll, wenn man auf einer langen Distanz mit diesen Worten ständig angefeuert wird! Mit dieser zusätzlichen Motivation schaffte ich einen neuen Streckenrekord: St. Moritz, Val Roseg bis zum Hotel und wieder retour via Bahnlinie (28km, 300hm). Plus Rucksack, gefüllt mit Tetrapack Orangensaft und ein paar Decken, 2:32h. Trainerin Barbara, die mich aus Zürich am Wochenende besuchte, setze all ihre psychologischen Kenntnisse ein, damit ich die Geschwindigkeit und den Rhythmus einhalten konnte. Von positiver Verstärkung bis hin zu militärischen Tönen: Lauf jetzt, loooos! Und damit die Oberschenkel auch richtig trainiert wurden, schleifte die Trainerin mich nach einem Eiweissshake und Guetzlis noch auf die Piste. 2h Telemark ohne Pause. Die Pistenpatrouille musste hin und wieder ausrücken, um den Brand in meinen Oberschenkeln zu löschen. Aber sonst war alles tiptop!

Somit konnte ich das Wochenziel dann doch noch in etwa erreichen. Die 140km waren diese Woche einfach nicht drin, da es ab Donnerstag ziemlich heftig stürmte und ein Schneesturm nach dem nächsten durch das Tal jagte. Aber das ist Wüstenfeeling pur: Die Wege, die ich mir für meine langen Distanzen aussuchte, verliefen alle durch schienbeinhohes Tiefschneeterrain, was mir die Schweissperlen auf die Stirn trieb. Es ist mal etwas ganz anderes, durch Tiefschnee zu joggen und erinnert stark an Wüstensand. Aber noch schlimmer finde ich es, wenn die Wanderwege mit zahlreichen Spuren von anderen Wanderern durchsetzt sind und man ständig in diese Fussspuren treten muss. Somit habe ich die Strecke von Sils nach Silvaplana (5km) damit verbracht, laut zu fluchen und mich tierisch aufzuregen. Aber es kam noch schlimmer: Am Champferersee hatte es heftige Schneeverwehung, die so hoch waren, dass ich bis zur Hüfte im Schnee einsackte. Ich musste mein  komplettes Körpergewicht plus Zusatzladung (3 Liter Orangensaft und ein paar Handtücher) immer wieder aus diesen Bergen von Schnee herauswuchten. Von da an änderte ich meine mentale Strategie und verzog mein Gesicht zu einem Dauergrinsen. Das hilft tatsächlich. Und damit das noch nicht genug war, setzte ich präventiv noch eins drauf: Ich begann zu singen. Und zwar kein anderes Lied als „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“. In allen Versionen. Für die 22km lange Strecke habe ich 2:23h gebraucht! Im Anschluss hatte ich zum Glück noch einen Termin beim Osteopathen, der meine Halswirbelsäule wieder einrenkte.

Am Freitag musste ich mich dann wirklich dem Wettergott geschlagen geben, denn der Schneesturm war einfach zu heftig. Ich hatte Angst, dass ich trotz schwerer Ladung in meinem Rucksack wegfliegen würde! Also kramte ich in im Kleiderschrank nach meinem Badeanzug und der Badehaube und fuhr kurzentschlossen ins Freibad, äh, Hallenbad. Nach 25 Minuten Aquajogging und 50min Crawl hatte ich dann auch definitiv genug vom Wasser. Aber, ich muss sagen, es tat meinem Rücken und den Gelenken schon sehr gut.  
Die Weihnachtswoche sollte ähnlich verlaufen. Ich bin gespannt und freue mich über jegliche Begleitung mit und ohne Velo!
Mein Musiktipp: 
Tiefschnee?! Noch ist es kein Pow Pow!

Val Roseg



Sonntag, 11. Dezember 2011

Rauf und runter mit und ohne Gepäck


Schnee und starke Stürme läuteten die neue Woche ein. Es war teilweise eine Motivationsfrage, ob ich gegen oder mit dem Sturm kämpfen sollte. Und dann auch immer die Frage: Was ziehe ich an? Faserpelz oder Windstopper? Primaloft und drunter 2 Lagen? Auf den ersten zwei, drei Kilometern sterbe ich meistens einen Erfrierungstod, um dann spätestens nach 30 Minuten jegliche Reissverschlüsse und Kragen zu öffnen und die Handschuhe in den Taschen zu verstauen. Gut, dass es in der Wüste heiss ist. Da stellt sich die Frage nach Lagen und Zwiebelprinzip nicht…
Am Dienstag ritt mich der Teufel, denn ich hatte die Idee, auf die Alp Languard zu joggen. Mit Rucksack und Stöcken. Und Gegenwind. Und Schneesturm. Ich war so dick eingepackt, dass mich deutsche Spaziergängerinnen ganz aufgeregt ansprachen: „Ach, da ist sie ja wieder, unsere Rodlerin“?! Mit wem wurde ich denn da verwechselt? Ich fasste es als Kompliment auf und zeigte auf der folgenden Bergetappe mein Bestes. Gemein und heimtückisch waren die Eisflächen, welche mit einer dünnen Schicht Schnee bedeckt waren. Ich musste höllisch aufpassen, dass ich nicht ausrutsche (was ja eine meiner neuen Lieblingsdisziplinen ist…). Auf der Alp (mein ursprünglicher Plan war es bis zur Paradishütte zu rennen) fegte mir dann ein heftiger Sturm entgegen und die Wege wurden zur einzigen Rutschpartie. Ich hatte zwar in meinem Rucksack wieder Kaminholz geladen, aber nach einem romantischen Feuer war es mir nicht. Ab nach Hause, dachte ich. Zudem war es mir auf dem gesamten Hinweg ziemlich übel im Magen. Lag wohl daran, dass ich vorher Aminosäuren in Tablettenform geschluckt hatte. Diese sollen während Ausdauerbelastung zusätzlich „Energie“ geben.  Und meine Apothekerin des Vertrauens meinte, ich sollte die mal ausprobieren. Gut, dass ich jetzt noch alles testen kann. Bis zum Ernstfall weiss ich dann Bescheid.
Am Freitag lockte mich die Strecke ins Val Roseg, wo ich morgens völlig alleine meine Spuren in den Schnee ziehen konnte und lediglich vom Kutscher freundlich gegrüsst wurde. Ich war mit meinen Gedanken wohl schon in der heissen Badewanne, als es wieder passierte: Kurz vor dem Bahnübergang zog es mir die Füsse wieder weg. Elegant und spontan wie ich bin, verlagerte ich das komplette Gewicht (samt Rucksack) nach vorne, was zur Folge hatte, dass ich einen grandiosen Bauchplatscher auf die vereiste Strasse machte und meine Knie und Hände den Fall abbremsten . Haltungsnoten 1A! Jetzt spiele ich schon kein Handball mehr und laufe trotzdem wieder mit blauen Knien rum. Das muss aufhören! Wer kennt denn da einen Tipp??
Am Wochenende kam mich Trainerin Julia besuchen. Nach einem Tag auf der Piste, wo wir die Oberschenkel beim Telemark trainierten, ging es später noch auf die Heimstrecke (12km) mit Rucksack. Julia begleitete mich mit dem Bike- ich kam mir vor wie Irina Mikitenko (Deutschlands schnellste Marathonläuferin), die im Sommer ihr Höhentrainingslager im Engadin absolviert und auch immer von ihrem Trainer per Bike begleitet wird.
Und die Krönung dann heute: Bei bestem Winterwetter machten wir uns gen Val Fex auf. Da ich ungern die gleiche Strecke auf dem Rückweg laufe, wählte ich eine Trailpassage aus. Meine Trainerin kämpfte sich mit dem Bike tapfer durch tiefen Schnee und feuerte mich auch aus gefährlicher Schräglage noch an, ich sollte schneller laufen, bevor sie dann elegant über Wurzeln zu Fall kam.
Die Spaziergänger (vorwiegend ältere Herren) waren von uns auch ganz irritiert und hätten mir sicherlich am liebsten den Rucksack abgenommen.  
Es ging diese Woche also wieder zur Sache. Im Rucksack transportiere ich neuerdings 1.5Liter Orangensaftbeutel. Wer also mal einen Transport von St. Moritz auf Maloja oder wohin auch immer hat: einfach anmelden!
Wochenkilometer: ca. 110km plus/minus 1000hm
Mein Musiktipp: 
Irgendwo im Wald zwischen Val Fex und Sils

Champferer See

Abgestürzte Trainerin "Lauf schneller"

Da kommt die Trainerin angerast!

Sonntag, 4. Dezember 2011

Perfektes Wetter für Wettkampfbedingungen


Perfektes Wetter für Wettkampfbedingungen

Im Dezember sollte es hier im Engadin eigentlich meterhohe Schneewände geben, auch Powder genannt. Normalerweise hätte ich um diese Jahreszeit mindestens schon drei Skitouren hinter mich gebracht und meine Powderplanke (sehr breiter Ski) würde nicht jammernd im Keller stehen und auf ihren ersten Einsatz warten. Aber da ich diesen Winter ja auch einen völlig anderen Schwerpunkt habe, kommt mir das warme Winterwetter sehr gelegen.
Und somit konnte ich auch in dieser Woche wieder auf unendlich lange Longjogs gehen. Dabei war die Krönung Mitte der Woche: Mit der Sonne im Rücken machte ich mich durch den Stazerwald auf in Richtung Bever. Die Todeszone am Flugplatz (hier verlieren manchen Athleten beim Sommerlauf die Nerven) bewältigte ich ohne Verluste und auch der eisige Wind, der mir ab Bever entgegen peitschte konnte mich von meinem Vorhaben, den Funkmasten in St. Moritz auf möglichst ungewöhnlichem Wege zu erreichen (normalerweise würde ich den direkten Weg nehmen und ca. 45min brauchen) nicht abhalten. Ein genialer Trail ab Val Bever brachte Freude in mein Herz und liess mich lustig und fröhlich bergauf und bergab springen: immer der Sonne entgegen. Meine Orientierung besagte mir, dass ich mich immer nur auf den oberen Wegen aufhalten sollte, um diesen Funkmasten gut zu erreichen. Das hatte zur Folge, dass ich mich immer weiter bergwärts spulte und einige Höhenmeter machte. Hin und wieder tauchte dann mal eine weisse Substanz unter meinen Füssen auf, die man wohl "Schnee" nennt. Oder auch künstlich produzierten Schnee, wie man aufgrund der aufgestellten Schneemaschinen nicht ins Zweifeln kommen sollte. Ich war im völligen Laufrhythmus ganz auf mich konzentriert als es dann passierte: Die tiefstehende Sonne blendete mich so stark, dass ich über einen relativ kleinen Stein so blöd stolperte, dass ich mich nur noch mit einer gekonnten Handballrolle über die Schulter abfangen konnte. Da ich aber nicht auf weichem Hallenboden sondern auf fiesem Geröllfeld landete, tropfte anschliessend das Blut aus meinem Knie die Wade nach unten bis in den Schuh. (Bin ich etwa das neue Aschenputtel?). Würde ich nicht so häufig und oft stürzen (letzte Woche bin ich an einem 2cm hohen Hydrantendeckel kleben geblieben), wäre ich wahrscheinlich schon längst in der Notaufnahme des Spitals Dauergast. Aufgrund dieser Sturzgefahr, die immer von mir ausgeht, bevorzuge ich einsame Wege ohne grosse Spaziergängerfrequenz. Was ist peinlicher als diese Stürze? Auf alle Fälle erreichte ich den Funkmasten nach 2:45h und 1000hm rauf und runter.Ein toller Trail!
Bei den restlichen Einheiten in dieser Woche schleppte ich dann meistens meinen Rucksack gefüllt mit neuem Kaminholz vom Lej Marsch mit. Donnerstag wechselte das Wetter und ein sturmähnlicher Wind zog über die Seen. Anstatt die geschützte Variante durch den Wald zu nehmen entschied ich mich, dem Wind mein Gesicht zu zeigen und schon mal für die Wüste Gobi (windigste Wüste/ Rennen im Juni) erste Erfahrungswerte zu sammeln. Mit meinen Wanderstöcken kämpfte ich gegen den Wind an und es machte irgendwie Spass, der Natur so ausgesetzt zu sein. Auf dem Hahnensee angekommen war es wieder windstill.
Die Woche beendete ich mit meinem Lieblingstrail von St. Moritz nach Silvaplana über den Via Engiadina. 
Heute in drei Monaten ist es somit: Atacama Crossing in Chile!!! Adios.
Wochenkilometer: ca. 120km
Mein Musiktipp: 
http://www.youtube.com/watch?v=nJSn0IufdM4
St. Moritz Dorf im Dezember 2011




Ok, der Schreck war grösser als die Wunde...